Erst heiter, dann hilflos

Zunächst fühlt man sich zwangloser und freier, unbeschwert und entspannt; die Zunge wird lockerer, die Fähigkeit zur Selbstkritik lässt nach. Die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit verringert sich deutlich.
Bei einer Alkoholkonzentration von 1 Promille beginnt das Rauschstadium. Bewegungen werden unkontrollierter, der Betrunkene torkelt und lallt, die Stimmung ist albern-heiter, aber auch oft aggressiv oder depressiv.
Schließlich beginnt das Betäubungsstadium (Alkoholkonzentration von 2 Promille) mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen (Filmriss). Es beginnt der Zustand der Hilflosigkeit.

Akute Gefahren

Fast ein Viertel aller Gewalttaten wie Sachbeschädigung, Körperverletzung und Totschlag werden unter Alkoholeinfluss begangen.
Jährlich sterben circa 1 800 Menschen in Deutschland bei alkoholbedingten Autounfällen. Schon ab 0,2 Promille verschlechtert sich das Wahrnehmungsvermögen und die Fähigkeit, Entfernungen einzuschätzen. Deswegen gilt seit dem 1. April 1998 in Deutschland eine Promillegrenze von 0,5 Prozent für die Teilnahme am Straßenverkehr. Dies gilt auch für Fahrradfahrer. Neben Führerscheinentzug und Bußgeldern droht dem betrunkenen schuldigen Verkehrsteilnehmer im schlimmsten Fall eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung.
Bei über 3 Promille Blutalkohol beginnt die schwere Alkoholvergiftung, die zum Tod durch Atemstillstand führen kann.

Langfristige Gesundheitsschäden

Gelegentlicher, maßvoller Alkoholgenuss ist für einen gesunden Menschen nicht schädlich.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten bei Frauen circa 20 Gramm Alkohol täglich (ein viertel Liter Wein oder ein halber Liter Bier), bei Männern 40 Gramm Alkohol (ein halber Liter Wein oder ein Liter Bier) als unbedenklich. Viele Fachleute halten regelmäßigen Alkoholkonsum jedoch für gesundheitsschädlich.

Alkohol in hoher Konzentration ist ein Gift, das zum Absterben vieler Körperzellen führt. Aufgrund ihrer Struktur reagieren drei Organe besonders empfindlich auf langjährigen Alkoholmissbrauch:
- das Gehirn
- die Bauchspeicheldrüse
- die Leber.

Besonders gefährdet ist das Gehirn. Hirnschrumpfungen verursachen Störungen des Gedächtnisses, der Denkfähigkeit und der Persönlichkeit des Alkoholikers. Unzuverlässigkeit, Depressionen und Wahnvorstellungen können die Folge sein. Menschen, die dieses Stadium erreichen, werden oft zu hilflosen Pflegefällen. Manche Alkoholiker leiden zusätzlich unter schmerzhaften Nervenentzündungen in den Beinen.

Die Bauchspeicheldrüse ermöglicht den Verdauungsprozess im Darm durch die Absonderung von Verdauungsspeichel und sie regelt den Zuckerstoffwechsel im Blut. Deswegen entwickelt sich bei Alkoholikern oft neben vielfältigen Verdauungsstörungen eine behandlungsbedürftige Zuckerkrankheit.

Die Leber leitet das vom Verdauungskanal kommende Blut gefiltert und gereinigt zum Herzen weiter. Bei jeder hohen Alkoholzufuhr gehen in der Leber Zellen zugrunde. Es bilden sich kleine, harte Narbenknötchen. Diese wachsen bei längerem Alkoholmissbrauch. Eines Tages ist der Zeitpunkt erreicht, bei dem der Flüssigkeitsstrom in der Leber und durch die Leber wegen der vielen Knoten nicht mehr möglich ist (Leberzirrhose).

Durch den Ausfall des wichtigsten Stoffwechselorgans kommt es zum allmählichen Verfall des Körpers. Gleichzeitig bildet sich ein Blutrückstau bis zum Verdauungskanal. Dort entstehen, besonders an Magen und Speiseröhre Krampfadern. Wenn eine dieser Adern platzt, verblutet der Alkoholiker in wenigen Minuten. Sehr viele Alkoholiker sterben an dieser Komplikation.

Zwischen Genuss und Sucht: Alkohol

Ein Genussmittel, das zur Sucht führen kann, ein Suchtmittel, das legal und leicht zu bekommen ist, eine Sucht, die erst spät von anderen bemerkt wird – das Alkoholproblem eines Betroffenen setzt sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen. Alkohol ist nicht nur erlaubt, sondern gehört in vielen Situationen einfach dazu. So scheint es. Ein guter Geschäftsabschluss, eine harte Arbeitswoche oder auch ein feucht-fröhlicher Abend – es gibt vieles, das gewohnheitsgemäß begossen wird. Werden muss? Die Gesellschaft setzt beim Alkohol keine Grenzen. Berauscht zu sein, betäubt, betrunken zu sein ist gesellschaftlich akzeptiert. Und so ist es ein schleichender Prozess vom ersten Glas bis zur Abhängigkeit, die nicht zwangsläufig entsteht. Ein sozial verträglicher Konsum ist durchaus möglich und Abhängigkeit entwickelt sich oft erst nach langjährigem Konsum. Das macht es für Alkoholkranke oder – gefährdete besonders schwer, ihr Risiko zu kennen und wahr zu haben, wenn der Alkohol in ihrem Leben längst Regie führt.

Hintergrund: Zahlen und Fakten

Egal wie gering die Menge ist, der Konsum von Alkohol hat Auswirkungen. Ab 0,2 Promille ist das Wahrnehmungsvermögen beeinträchtigt und es fällt schwerer Entfernungen einzuschätzen. Jährlich sterben circa 1800 Menschen in Deutschland bei alkoholbedingten Autounfällen.

Je höher die Dosis, desto größer die Folgen: Alkohol geht direkt auf das zentrale Nervensystem, zerstört das Gehirn und verursacht bleibende Schäden auch in der Bauchspeicheldrüse und der Leber. Das Risiko steigt, wenn der Konsum früh beginnt. Die Alkoholabhängigkeit greift in jungen Jahren sehr viel schneller, da biochemische Prozesse insgesamt deutlich schneller ablaufen. 40 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums.

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren leben in Deutschland circa 2,5 Millionen Alkoholkranke, darunter eine Million Frauen, 1,2 Millionen Männer und etwa 300 000 Jugendliche: drei Prozent aller Deutschen sind vom Alkohol abhängig.

Abhängig oder gefährdet?
Anhaltspunkte für die Selbsteinschätzung

Sie sorgen - ohne groß darüber nachzudenken - wie selbstverständlich für Nachschub,

  • planen gut, damit kein Engpass entsteht,
  • trinken alleine oder manchmal auch heimlich,
  • haben mehr Trinktage in der Woche als Nicht-Trinktage,
  • trinken schon mal im Voraus, um in geselliger Runde mit anderen schon locker zu sein,
  • trinken, um in gute Stimmung zu kommen,
  • nutzen Alkohol, um beispielsweise Stress abzubauen oder wenn sie sich ärgern,
  • denken in Alkohol:  „Wo kann ich gleich noch einen Schluck trinken?“,
  • legen sich beispielsweise für den Feierabend schon mal den Weg zurecht, vorbei am Kiosk oder der Stammkneipe,
  • haben feste Trinkgewohnheiten: ein Bier vorm Einschlafen, ein Absacker, die Happy Hour …
  • haben Schwierigkeiten, Trinkpausen einzulegen und durchzuhalten.

 ...wenn Sie einige dieser Fragen mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie über Ihren Konsum ernsthaft nachdenken.

„Morgen hör’ ich auf – ganz bestimmt.“ - Leben mit dem Alkohol

Eigentlich wissen Sie genau, was läuft: Dass es längst zu viel ist und dass der Alkohol in Ihrem Leben eine zu wichtige Rolle übernommen hat. Rückblickend sagen Alkoholiker: „Ich hab’s nicht wahr haben wollen, aber es war mir klar, dass ich mit dem Alkohol Probleme habe.“ Doch bis zu diesem Eingeständnis vergehen oft Jahre. Auch die Abhängigkeit hat sich schließlich in der Regel über eine lange Strecken erst entwickelt. Das ist häufig so - auch wenn es den typischen Alkoholiker nicht gibt. Er oder sie ist möglicherweise älter als 35 und hat über viele Jahre einen gesellschaftlich akzeptierten Konsum hinter sich. Irgendwann kippte das, schleichend und zunächst unbemerkt, wurde aus selbst gewähltem Genuss ein steigender Bedarf. Trinkanlässe nahmen zu, die Trinkmenge musste zunehmen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen....

Anfangs gelingt es gut, sich selbst zu täuschen. Ich bin doch kein Trinker, ich bin kein Sozialfall, mir geht’s doch  nicht schlecht. Ich hab das im Griff und wenn nicht, dann krieg ich es in den Griff. Aber: das machen Sie – wie viele andere Abhängige - mit sich selber aus. Sie verhalten sich ruhig, merken, dass da etwas nicht stimmt, Sie vertrauen sich keinem an. Sie nehmen sich viel vor: nach der WM, nach dem Geschäftsabschluss, wenn die Ehe wieder besser läuft… dann wollen sie ganz aufhören. Und – wer weiß - vielleicht klappt es sogar für eine gewisse Zeit. War der Führerschein schon in Gefahr? Nicht selten gelingt es Alkoholkranken für die nötigen sechs Wochen abstinent zu sein, um gute Leberwerte vorzeigen zu können. Ein gutes Gefühl. Sie beweisen es sich und anderen. Warum Sie wieder anfangen? Und wieder so trinken wie zuvor? Um vom Alkohol wieder frei zu werden, reichen gute Vorsätze nicht aus. Einfach nicht mehr so viel zu trinken, gelingt den wenigsten. Denn so lässt sich das Problem hinter dem Alkohol nicht lösen.

 Es muss sich etwas ändern…

Abhängigkeit entsteht aus der Gewöhnung an erhöhte Dosen über lange Jahre hinweg. Das ist die körperliche Seite. Dazu kommt der Gewinn des Trinkens, die Vorteile des Rausches: wenn Alkohol lockerer macht im Kontakt mit anderen, wenn es mit Alkohol gut möglich ist, Stress zu vergessen, dann versäumt man zu lernen, wie es ohne Alkohol geht. Dazu fehlt anfangs das nötige Handwerkszeug: Ohne Alkohol mit unangenehmen Dingen fertig zu werden, in gute Stimmung zu kommen, sich besser oder lockerer zu fühlen, mit Druck, ob zu Hause oder auf der Arbeit fertig zu werden, eine Krise auszuhalten und insbesondere „Nein“ zu sagen... vielleicht fällt Ihnen gerade das ohnehin schwer.

Vielleicht gehören Sie gerade deshalb im Betrieb zu den geschätzten Mitarbeitern, machen Überstunden, sind ansprechbar für Zusatzarbeiten. Vorarbeiter oder Vorgesetzte wissen, dass Sie auch samstags und sonntags kommen würden. Alkoholkranke können oft nicht gut „Nein!“ sagen. Das alles hat viel mit dem inneren Selbstwertgefühl zu tun. Sie glauben, es sich nicht leisten zu können und scheuen die Auseinandersetzung mit anderen - und mit sich selbst.

Gut möglich, dass das schon in der Familie angefangen hat. Wenn es nie jemanden gab, der sich  auseinander gesetzt, ehrliches Interesse aufgebracht oder Grenzen gesetzt hat, dann ist ein wichtiger Lernprozess in der Kindheit ausgefallen: Widerstand zeigen, Grenzen zu haben und auch die eigenen Grenzen zu achten, das lernen wir auch, indem wir ein Gegenüber zu haben, das uns ernst nimmt und uns hilft, Persönlichkeit aufzubauen. Das brauchen wir, um ein Gefühl für uns selber zu entwickeln. Wer bin ich, und wo stehe ich? Wenn es in der Familie, in der Kindheit nicht erlernt wurde,  fehlt später ein Lösungsmodell für viele Alltagssituationen. Schon früh lernen wir auch am Modell der Eltern mit Druck und Sorgen umzugehen. Kinder suchtkranker Eltern haben ein hohes Risiko ebenfalls mit Sucht auf Probleme zu reagieren.

Erst wenn die Probleme im Alltag zunehmen, suchen Alkoholkranke Hilfe. Meist nicht ganz freiwillig. Aber Sie fallen irgendwann auf. Eine Fahne am Morgen, ein „Ausraster“ in der Familie, eine Verkehrskontrolle… Es ist in der Regel der Partner, der Arbeitgeber, der Arzt oder die Polizei die einen vor die Wahl stellen: Aufhören mit dem Alkohol oder mit dem, was man hat, Job, Ehe, Familie, Führerschein. Für viele ist das die Eintrittskarte. Man muss nicht erst ganz unten ankommen. Je früher der Warnschuss losgeht, je früher man ihn hört und etwas verändert, umso besser ist die Heilungschance.

Ganz oder gar nicht? Schritt für Schritt den Ausstieg finden

Viele haben Schuldgefühle, gegenüber dem Partner und gegenüber den Kindern. In der Beratungsstelle hinterfragen wir ohne zu werten: Welche Gründe zeigen sich hinter der Abhängigkeit, wie hat sich die Sucht entwickelt?  Ihre Bereitschaft, das Alkoholproblem anzugehen, wird von  uns wert geschätzt. Auf dem langen Weg in die Abhängigkeit ist auch Positives passiert: eine Ausbildung, Berufserfahrung, eine Familie – oft gibt es Ressourcen und Fähigkeiten, mit denen man in der Beratung weiter kommt.

Das Entgiften selbst dauert nur ein paar Tage. Danach erst beginnt die eigentliche Arbeit. Der Alkohol, bisher das Lösungsmittel für alle denkbaren Krisen, steht nicht mehr zur Verfügung. Situationen, die sie früher berauscht erlebt haben, wollen sie wieder nüchtern schaffen. Es bedeutet Arbeit, sein Leben selbstverantwortlich zu gestalten und das nötige Handwerkszeug dazu zu lernen. Viele schaffen es nicht auf Anhieb und müssen auch lernen mögliche Rückfälle zu verkraften. Auch dafür sind wir da. Therapie ist die Chance der kleinen Schritte - gemeinsam erproben und suchen die richtigen. Anfangs in Einzelgesprächen, später in der Gruppentherapie und im Netzwerk der Selbsthilfe helfen wir Ihnen den Weg zu gehen, der zu Ihnen passen könnte.

Sie wollen mehr wissen und haben Fragen? Wir sind für Sie da mit unserem online-Beratungsangebot oder in unseren Beratungsstellen vor Ort.

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