Ständig griffbereit: Zigaretten und Tabak

Pause machen, sich entspannen, eine Auszeit nehmen – für viele gehört die Zigarette einfach dazu. Da ist das Gespräch mit dem Chef, der Druck macht, weil die Zahlen nicht stimmen oder ein kleiner Anflug von Langeweile, den man doch schnell vergessen kann, der Start in den Tag mit der Tasse Kaffee und der Zigarette... die Zigarette schleicht sich in den Alltag hinein und vielen scheint es kaum vorstellbar ohne auszukommen.

Rauchende Kommissare, Bundeskanzler und Prominente haben zum Bild vom harmlosen Genuss beigetragen. Tabak, Zigaretten – Nikotin in jeder Form – gehören zu den Suchtmitteln, die nicht gleich krank machen und die deshalb unterschätzt werden. Abhängig aber wird man auch vom Nikotin und es ist besonders schwer, die Grenze zwischen Genuss und Sucht zu erkennen. Rauchen wirkt in vielen Stresssituationen erleichternd und in vielen positiven Situationen als zusätzlicher Genuss... einerseits anregend andererseits beruhigend. Nikotin wirkt sofort.

Zweifel am vermeintlich harmlosen Konsum kamen erst in den letzten Jahren auf. Die hohe Krebsrate, die Todesfälle in Folge von Tabak führte zu einer breiten Debatte auch um das öffentliche Rauchen. Heute gibt es rauchfreie Restaurants, Rauchverbote in Bahnhöfen und Flughäfen und schließlich die Debatte um das Verbot der Tabakwerbung.

Hintergrund: Zahlen und Fakten

Am Rauchen anderer verdient nicht nur die Tabakindustrie. Ein Thema sind auch die Tabaksteuern, die in unserem Staatshaushalt fest eingeplant sind.

Über die Folgen des Rauchens herrschte lange Zeit Unklarheit. Denn die gesundheitlichen Probleme des mittleren und starken Tabakkonsums treten erst mit Jahren oder Jahrzehnten Verzögerung auf. Heute aber ist die Statistik eindeutig: 140.000 Todesfälle sind durch Tabak verursacht. Dazu zählen Herz-/Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und chronische Krankheiten, wie beispielsweise eine chronifizierende Bronchitis. Das Rauchen hat zudem nicht nur Folgen für die eigene Gesundheit. Über das Passivrauchen sind auch andere beeinträchtigt. Je früher das Rauchen beginnt, umso eher treten die Folgen auf. Wenn also heute schon Zwölfjährige mit dem Rauchen beginnen, erleben sie mit Anfang 30 die ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Der Wirkstoff Nikotin regt im Gehirn die Ausschüttung von Dopamin an. Das so genannte Glückshormon sorgt für den gewünschten Effekt. Innerhalb von 10 Sekunden nach dem Inhalieren stellt sich die Wirkung ein. Noch nicht genau ist dagegen erforscht ist, welche Rolle bei der Entstehung der Abhängigkeit die persönliche Veranlagung spielt: Wie es kommt es, dass ein Raucher es sein Leben lang bei fünf Zigaretten belassen kann, während ein anderer es nicht schafft, den Konsum einzugrenzen?

Starker Raucher oder Gelegenheitsraucher?

Ein Schnelltest hilft bei der Selbsteinschätzung. Im Fragerström-Test[1] geben Sie Antworten auf folgende Fragen:

  • Wann nach dem Aufwachen rauchen Sie ihre erste Zigarette?
  • Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist, das Rauchen sein zu lassen?
  • Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen? Die erste am Morgen? Andere?
  • Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Allgemeinen pro Tag?
  • Rauchen Sie am frühen Morgen im Allgemeinen mehr als am Rest des Tages?
  • Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

> Für die Antworten erhalten Sie Punkte, die für mittlere oder starke Abhängigkeit von Zigaretten und für die Teilnahme an einer Raucherentwöhnungsbehandlung sprechen. Geringe Punktezahl spricht dagegen für noch wenig ausgeprägte Abhängigkeit, die es noch leicht macht, auf Nikotin zu verzichten.

Schnelle Sache: anregend und beruhigend

Irgendwann in jungen Jahren fängt man an. Entscheidend für den Einstieg ist die Frage: was tun die anderen Gleichaltrigen? Die Gewöhnung kommt relativ schnell. Man glaubt, dass man sich besser konzentrieren kann, länger durchhält oder wach bleibt. Das passt gut in vielen Situationen. Und allmählich werden es immer mehr Zigaretten. Hat man sie nicht zur Hand, fühlt man Müdigkeit, Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen. Der Weg zur täglichen Schachtel ist schnell gemacht. Schon bald nach dem Aufstehen wird zur Tasse Kaffee die erste geraucht. Halbherzige Aufhörpläne werden wieder verworfen. Gleichzeitig wächst die Sorge, man könnte durchs Rauchen ernsthaft krank werden. Andere haben’s doch auch geschafft. Ein oder zwei Bücher werden gelesen und es gelingt vielleicht für eine Zeit mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger zu rauchen. Ab und zu sich eine Zigarette gönnen kann doch gar nicht so schlimm sein. Doch meist stellt sich bald schon das alte Rauchmuster wieder ein. Warum nur ist es so schwer diese harmlose Gewohnheit aufzugeben?

Nikotin macht süchtig. Wer regelmäßig raucht, macht seinen Körper mit diesem Suchtmittel vertraut. Er gewöhnt ihn an ständige Nachfuhr von Nikotin, was bedeutet: der Körper verlangt immer wieder danach. Raucher merken das daran, dass sie an die nächste Zigarette denken, unruhig werden und sagen: jetzt brauch ich eine Zigarette.

Innerliche Unruhe, Gereiztheit und das Bedürfnis, sich eine anzustecken dominiert die Gedanken. Das ist die körperliche Abhängigkeit. Nikotin macht aber auch psychisch abhängig: Je mehr Zigaretten pro Tag man sich angewöhnt hat, desto weniger kann man bald schon in bestimmten Situationen auf die Zigarette verzichten. Die Macht der Gewohnheit: zur Tasse Kaffee am Nachmittag, immer zum Bier, immer in der Pause, an bestimmte Situationen geknüpft, wird es immer schwerer, auf die Zigarette  zu verzichten – das macht die psychische Abhängigkeit aus.

Es gibt Gründe genug, das Rauchen aufzugeben. Und jeder Raucher/jede Raucherin kennt sie. Aber das allein genügt für den wirklichen Ausstieg nicht. Da zählen vor allem die persönlichen Gründe. Wem klar geworden ist, warum er nicht mehr rauchen will, der kann die schwierige Situation zu überstehen, in der einen das Verlangen wieder packt. Menschen, die wissen, warum sie mit dem Rauchen aufhören wollen, haben größere Chancen, es zu schaffen.

Der Anstoß zum Aufhören kommt oft von außen: anhaltend langdauernde  Infekte  der unteren Atemwege. Die normalen Alltagsbelastungen können nicht mehr bewältigt werden. Der Arzt, auch Partner oder Angehörige drängen nach einer Entscheidung. Und manche fassen auch selbst den Entschluss. Sie wollen etwas für sich tun, für ihre Fitness. Oder es stört Sie  nach vielen Jahren einfach, dass die Zigarette über den Tag bestimmt. Dass sie immer dafür sorgen, Zigaretten zur Hand zu haben. Wieder frei und unabhängig sein, die alte Bewegungsfreude wieder gewinnen, nicht mehr aus der Puste kommen beim Treppensteigen etc. Damit lässt sich für den Ausstieg aus der Sucht viel anfangen.

Der Start ins rauchfreie Leben

Wenn sie mit dem Nikotin aufhören, erleben Raucher schnell den Erfolg, dass sie leichter durchatmen oder wieder ohne Probleme die Treppe hoch laufen. Schon nach zwei bis drei Wochen fällt das alles leichter. Deutlich länger dauert es dagegen, bis auch der Körper bereit ist, auf das Nikotin zu verzichten. Rauchentwöhnung ist mit persönlicher Arbeit verbunden.  Dazu gehört das Abwägen. Was waren die Vorteile des Rauchens, was sind die Nachteile? In welchen Situationen gehörten Zigaretten immer dazu? Welche Alternativen fallen mir für diese Situationen ein? Was kann ich sonst tun, um meine Hände zu beschäftigen oder wenn mir langweilig ist? Wichtig ist, dass jeder seinen eigenen Ausstieg findet, nachdenkt und kreativ wird: mehr Bewegung, ein Verein, ganz neue Ideen für den Feierabend – Ihre Ideen für das Leben ohne Zigaretten, sind Ihre Chance. Dabei können wir Sie in unseren Beratungsstellen unterstützen. Mit speziellen Rauchentwöhnungs-Programmen, mit Gruppen- und Einzelangeboten stärken wir Sie in ihrem Versuch, frei zu werden von Zigaretten.

Vorteile des Nichtrauchens

Nach 20 Minuten:  Puls und Blutdruck sinken auf normale Werte, die Körpertemperatur in Händen und Füßen steigt auf die normale Höhe.

Nach 8 Stunden: Der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut sinkt, der Sauerstoff-Spiegel steigt auf normale Höhe.

Nach 24 Stunden: Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, geht schon von diesem Zeitpunkt leicht zurück.

Nach 48 Stunden: Die Nervenenden beginnen mit der Regeneration. Geruchs- und Geschmacksorgane verfeinern sich.

Nach 2 Wochen bis 3 Monaten: Der Kreislauf stabilisiert sich. Die Lungenfunktion verbessert sich.

Nach 1 bis 9 Monaten: Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit gehen zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr verringert sich und körperliche Energiereserven werden vermehrt mobilisiert.

Nach 1 Jahr: Das Risiko einer Koronarinsuffizienz(Sauerstoffmangel des Herzmuskels) sinkt auf die Hälfte des Risikos eines Rauchenden.

Nach 5 Jahren: Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, verringert sich fast um die Hälfte. Das Herzinfarktrisiko sinkt in einem Zeitraum zwischen fünf  und 15 Jahren auf das eines Nichtrauchenden. Krebsrisiko von Mundhöhle, Luft- und Speiseröhre ist nur noch halb so groß wie bei einem Rauchenden.

Nach 10 Jahren: Das Lungenkrebsrisiko ist weiter gesunken. Es ist nicht mehr höher als bei einem Nichtrauchenden.

Nach 15 Jahren: Das Herzinfarktrisiko ist nicht mehr höher als bei einem lebenslangen Nichtrauchenden.


[1] Der ganze Test: www.nichtrauchen-info.de

 

 

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