Antesten, ausreizen, sich trauen...

Antesten, ausreizen, sich trauen, was verboten ist - in der Zeit der Experimente und des Aufbruchs, probieren Jugendliche vieles aus - auch Drogen. Kaffee, Alkohol, Zigaretten sind fast schon normal – und erlaubt. Mit einer illegalen Droge aber geht man noch einen Schritt weiter. Cannabis, Heroin oder Kokain kann man nicht ohne Rausch konsumieren. Da geht es immer um den Rausch.
Cannabis oder andere illegale Drogen machen sich unauffällig breit im Rhythmus des Tages.  Der Einstieg und das erste Probieren können völlig unspektakulär verlaufen. Die Stimmungskurve danach ist wie im Leben: sie kann von ganz normal bis stimmungsverstärkend sein. Cannabis kann anregend sein, Stress abbauen. Die Droge hilft zu vergessen, sich weg zu machen, sich mit bestimmten Dingen nicht auseinander setzen zu müssen. Wie sehr das Kiffen bald schon genau dazu gebraucht wird, darüber kann man sich längere Zeit ganz gut täuschen. Viele, die gefährdet oder schon abhängig sind, fangen bald an zu rechnen und zu vergleichen: „Es ist ja wohl ein Unterschied, ob ich täglich oder nur gelegentlich kiffe, drücke oder ziehe. Außerdem im Freundeskreis kiffen alle. Und ist es nicht besser zu rauchen als zu saufen?“ Mit der Zeit merken andere, Freunde, Eltern oder Lehrer, das etwas aus dem Lot gerät: dass es in der Schule nicht mehr klappt oder es Stress mit den Eltern gibt, dass keine Ausbildung in Sicht oder die Arbeit verloren ist. Konsum hat immer Folgen für die Alltagsbewältigung.

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Zahlen und Fakten

Etwa 100 Drogen und Substanzen stehen auf der Liste der verbotenen Stoffe. Denn einige, wie Heroin, LSD oder Kokain sind in ihrer Wirkung so stark, dass sie sofort oder in sehr kurzer Zeit abhängig machen. Heroin nur „gebrauchen“, das geht nicht. Wer Heroin konsumiert wird abhängig, ein kontrollierter Umgang ist nicht möglich.
Cannabis wird dagegen gerne als harmlosere weiche Droge eingestuft, weil sich die Abhängigkeit über einen längeren Zeitraum entwickelt. Außerdem sind die körperlichen und seelischen Folgen der Einnahme nicht für jeden sogleich erkennbar. Deshalb ist Cannabis als Suchtmittel jedoch keineswegs harmloser: Schon für Schüler ist es einfach, an Cannabis heranzukommen. Der frühe Einstieg ist riskanter als man bislang annahm: Wenn ein 14jähriger regelmäßig kifft, werden wichtige Reifungsprozesse im Gehirn wesentlich beeinflusst. Je früher der Konsum beginnt, umso sicherer sind Probleme zu erwarten.
Für alle illegalen Drogen gilt: es steht unter Strafe, sie zu besitzen, zu verkaufen oder zu erwerben. Der Konsum der Drogen allerdings gilt als Selbstschädigung und wird daher nicht bestraft.

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Anzeichen für Abhängigkeit

Du solltest nachdenken, ob du gefährdet bist, wenn...

  • dir Freunde sagen, dass du dich veränderst
  • deine Eltern finden, dass man gar nicht mehr an dich rankommt
  • dein Schulabschluss gefährdet ist
  • ein Schulverweis droht
  • dich die Polizei mit Cannabis erwischt hat
  • die ARGE sagt, das Arbeitslosengeld wird gestrichen, weil du so keine Arbeit  mehr bekommen kannst
  • wenn du täglich oder mehrmals pro Woche konsumierst
  • du das Gefühl hast, von allen Seiten Druck zu kriegen

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„Probleme? Hab ich nicht.“ - Leben mit der Droge

Den meisten geht es anfangs erstmal gut. Denken sie jedenfalls. Man kennt viele, die schon jahrelang kiffen und nicht abgebaut haben. Warum soll es bei mir anders sein? Sie merken wohl, dass sie abends einfach besser einschlafen, wenn sie Cannabis geraucht haben. Aber ist das gleich auffällig? Und dass der Schulabschluss vielleicht gefährdet ist, liegt einfach daran, dass man manchmal unkonzentriert ist. Das geht auch anderen genauso, die überhaupt nichts mit Drogen zu tun haben.
Aber du bist du. Nur das eigene Leben, die eigenen Erfahrungen und auch vieles, was man als Kind schon mitbekommen hat, entscheiden darüber, ob es beim Ausprobieren bleibt, oder ob der Konsum riskant bis zur Abhängigkeit ist.

Das beginnt schon in der Familie. Wenn Substanzen und Suchtmittel normal waren, wenn Kopfschmerztabletten jederzeit zur Hand waren oder Süßigkeiten, Fernsehen und Kaffee jederzeit griffbereit, dann merken Kinder, wie leicht sich gute Stimmung herstellen lässt. Kinder aus Suchtfamilien haben ein höheres Risiko, selbst süchtig auf Substanzen zu reagieren. Schon jüngere lernen aber auch außerhalb der Familie von Älteren. Sie suchen Vorbilder und beobachten, wenn 15 /16jährige trinken oder kiffen und versuchen ihnen nachzueifern.
Ob die Droge zur Sucht führt hat auch mit Gefühlen zu tun: Wie wir mit Belastungen umgehen, ob wir Gefühle mitteilen, anderen sagen, was wir brauchen und was wir nicht wollen, das kann vor Abhängigkeit schützen oder auch Drogen besonders riskant machen.
Wie leicht fällt es dir, dich abzugrenzen? Wie schwierig ist das, wenn Drogen und Substanzen im Freundeskreis selbstverständlich dazu gehören. Oder hast du Freunde, die auch über unangenehme Dinge reden, bei denen man „Nein“ sagen kann, ohne ausgegrenzt werden?

Die meisten Abhängigen sind fest davon überzeugt, die Droge im Griff zu haben. Doch Kiffen vor und nach der Schule oder in der Pause, vor oder während der Arbeit, bekifft im Straßenverkehr unterwegs – das kann nicht lange gut gehen. Vielleicht möchte man längst schon manches anders machen: die Schule durchziehen, einen Job finden. Dass es nicht klappt, liegt nicht nur an einem selbst. Bewerbungen schreiben, zum Amt gehen, sich Informationen besorgen, das kostet Zeit und Energie. Leute, die morgens kiffen, schaffen den Rest des Tages nicht, was sie sich vorgenommen haben. Du hängst immer öfter bloß noch zu Hause rum. Viel Aufwand betreiben Abhängige dagegen, nach außen hin so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre.
Viele werden erst aktiv, wenn in ihrem Leben ganz viel zusammengebrochen ist: wenn die Familie nicht mehr mitspielt und die Drogen anspricht, wenn Freundinnen und Freunde ehrlich sind und sagen, dass sich was ändern muss. Wenn eine Kündigung droht oder der Schulabschluss nicht geschafft wird. Viele Konsumenten wachen erst spät auf, manche werden dazu gezwungen. Sie sind bei einer Kontrolle aufgefallen oder mit Drogen erwischt worden. Meist sehen sie auch dann nicht ein, dass ihr Konsum aus dem Ruder läuft. Freiwillig würden die wenigsten von sich aus zu einer Beratungsstelle gehen.

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Alles, was hilft…

Dein Kapital sind deine Pläne. Was hast du für Ideen, für Lebensziele und wie sieht es damit zurzeit aus? Was in deinem Leben unterstützt dich, und was hindert dich, deine Pläne zu entwickeln. Denkst du, dass alles im Lot ist, zwischen dem was du willst und dem was du hast? Fünf Gespräche in der Drogenberatung, in denen du klären kannst, was es mit dem Drogenkonsum auf sich hat, wie du lebst, mit Freunden, Partnern, Schule - manchmal reicht das schon für den Anfang.
Das reine Entgiften dauert 2 - 4 Wochen. Dann hat sich der Körper die Droge abgewöhnt. Schwieriger ist es, mit dem Kopf hinterher zu kommen. Wir schauen, was könnte der nächste realistische Schritt für dich sein. Welches Ziel ist nahe liegend und erreichbar: ganz aufhören, das geht, aber nicht von heute auf morgen. Viele wollen zu viel auf einmal. Wir überlegen gemeinsam, wo sind deine Stärken, die dich schützen und dir helfen werden, die Veränderung in Angriff zu nehmen. Für jedes Beratungsgespräch ist Vertraulichkeit oberste Regel. Weder Behörden, noch Gerichte oder Polizei können von uns Auskünfte über dich bekommen. Alles, was in der Beratung besprochen und vereinbart wird, bleibt unter uns.

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